Das neue, 106-seitige Buch „Selters – ein Name erobert die Welt“ wurde jetzt im Selterser Mineralbrunnen vorgestellt. Das Werk von Dr. Norbert Zabel, Eugen Caspary und weiterer Autoren ist ab sofort zum Preis von 6 Euro bei der Gemeindeverwaltung in Niederselters erhältlich.
 
„Es freut mich ganz besonders, dass wir heute gemeinsam diese Ausstellungsdokumente, die hier im Brunnen in Augenschein genommen werden können, der Öffentlichkeit vorstellen“, sagte Bürgermeister Bernd Hartmann. Der Gemeindevorstand habe es für angebracht gehalten, das, was Dr. Norbert Zabel und Eugen Caspary gemeinsam mit Dr. Ulrich Eisenbach, Franz Josef Stillger, Jürgen Eisenbach und Heinz Rebelein gestaltet hätten, auch in Buchform für kommende Generationen zu erhalten. Zabel, Vorsitzender des Geschichtsvereins Goldener Grund, erklärte, dass der Vorstand des Geschichtsvereines bereits vor sechs Jahren den Entschluss gefasst hätte, ein Brunnenmuseum einzurichten und darin die 500-jährige Geschichte des Mineralbrunnens zu dokumentieren. Laut Altbürgermeister Zabel wurde die berühmte Selterser Quelle bereits 1536 erwähnt. Historische Karten, die die Brunnenanlage im 17. und 18. Jahrhundert zeigten, verdeutlichten in dem neuen Buch die ersten Versuche, einen Kurbetrieb in Niederselters entstehen zu lassen. Die gut erhaltenen Brunnenzeichnungen ließen eine bescheidene Nutzung erahnen, danach belegten Stahl- und Kupferstiche den wirtschaftlichen Aufstieg zu einem vorindustriellen Großbetrieb. Brunnenordnungen, Arbeitsanweisungen und Ladeordnungen zeigten den Arbeitsalltag. Prachtvolle Entwürfe zum Brunnenausbau zwischen 1773 und 1783 beeindruckten genauso wie eine Fotografie des 1857 errichteten gusseisernen Glaspavillons über der Quelle. Steinkrüge aus dem Kannenbäckerland, millionenfach gefüllt und bis zum Ersten Weltkrieg verwendet, bezeugten eine weltweite Nachfrage, berichteten die Autoren. Die Jahre als preußischer Staatsbetrieb (1866-1894), die Zeit der Verpachtung an den Glasindustriellen Friedrich Siemens und seine Erben (1894-1955), der kurze Abschnitt der SS-Herrschaft, der erfolgreiche Aufstieg unter Wolfgang Lehnig (1955-1975) sowie die Aktivitäten im ausgehenden 20. Jahrhundert rundeten das Bild einer hochinteressanten Brunnengeschichte ab. Zu dieser Zeit hätten die Brauerei Herrenhausen (Hannover) und danach die Binding-Brauerei (Frankfurt) das Sagen gehabt.
 
Bürgermeister Hartmann erklärte, dass das Brunnenkonzept für die Gemeinde insgesamt bisher aufgehe. Nach mehr als 100 Besuchergruppen seit der Eröffnung des Museums am 26. Juni 2011 habe die Gemeinde zurzeit schon wieder viele neue Anfragen für Führungen vorliegen. Das Museum gebe detaillierte Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Brunnenbetriebes, und erkläre, warum Selters zu einem Synonym für Mineralwasser geworden sei.
 
Zabel wies noch einmal darauf hin, dass im Selterser Gemeindearchiv viel bis dahin unbekanntes Material entdeckt worden sei, und auch im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden hätten seine Mitarbeiter und er über mehrere Jahre hunderte Dokumente und Schriftstücke durchgesehen. So enthält das Buch neben fachkundigen Texten zahlreiche Dokumente, Fotografien, Zeichnungen sowie kurze Erläuterungen zu den jeweiligen Zeitabschnitten.
 
Gelungen ist auf den ersten Blick der hochwertige Druck (Seltersdruck Niederselters) sowie eine beeindruckende moderne Grafik (knappdesign Hünfelden). Das Titelbild des Werkes stammt von Günther Knödler.
 
Buch Brunnen 1 Buch Brunnen 2

Franz Josef Stillger, Dr. Norbert Zabel,
Eugen Caspary und Thomas Knapp (v.li.)
stellten ihr neues Buch vor

Über das neue Buch zur Selterser Brunnengeschichte freuten sich (v.li.)
Bernd Hartmann, Karin Weiß, Dr. Norbert Zabel, Thomas Knapp,
Günther Knödler, Hermann Bethke, Franz Josef Stillger und Eugen Caspary